Startseite E-Mail-Kontakt www.grips-service.de Radsport-Nachwuchs leidet unter dem Dopingdrama der Profis - Übungsleiter Fischer: Medaillen sind nicht alles CHEMNITZ/VENUSBERG - "Belanglos", lautet der kurze Kommentar von Wolfgang Lötzsch zur Doping-Beichte von Lance Armstrong. Für den ehemaligen Radsportler aus Chemnitz, der in die Hall of Fame des deutschen Sports aufgenommen wurde, bringen Diskussionen wie in der Fernseh-Talkshow von Oprah Winfrey den Radsport nicht weiter. "Er hat keine Drahtzieher genannt. Im Prinzip verdienen sich nur die Anwälte dumm und dämlich. Das Kleine geht aber alles kaputt. Es gibt immer weniger Wettkämpfe. Und die Talente, die sicher da sind, werden immer seltener entdeckt." Lötzsch plädiert für einen Schlussstrich unter die unrühmliche Radsport-Vergangenheit, fordert gleichzeitig lebenslange Sperren für Profis, die in der Gegenwart erwischt werden. Und der 60-Jährige liegt damit auf einer Wellenlänge mit Klaus Fischer. Der Übungsleiter vom RSV Venusberg hält mit engagierter Arbeit - wie in anderen Vereinen der Region auch - die Nachwuchsarbeit mühsam am Leben. Doch jede Doping-Schlagzeile machen Fischer und Co. die Arbeit etwas schwerer. Zwar halten die über Jahre engagierten Kleinsponsoren ihre Unterstützung nach wie vor aufrecht. Doch es kann passieren, dass selbst die Kinder und deren Betreuer schief angeguckt werden. "Dopingmittel gehören bei uns nicht zum Programm. Nein, wir bolzen, machen Krafttraining und schulen die Technik", versichert Klaus Fischer. Zu seiner Trainingsgruppe gehören 16 Kinder und Jugendliche, die im Vorjahr etliche Erfolge verbuchten. Der 18-jährige Florian Kretschy gewann sogar bei den deutschen Bahnrad-Meisterschaften Bronze. Doch Medaillen sind für Fischer nicht alles: "Die Eltern wissen, dass der Leistungssport helfen kann, wichtige Dinge fürs Leben zu vermitteln", meint der Übungsleiter und zählt auf: "Fleiß, Persönlichkeitsentwicklung, Teamfähigkeit, Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit, Selbstständigkeit, Durchsetzungsvermögen. All das bekommen unsere Sportler mit auf den Weg", sagt Fischer. Übrigens, beim Thema Fleiß ist sich der Trainer sicher, dass es Lance Armstrong an diesem nicht gefehlt hat - im Gegenteil. Fischer hat das Buch des Texaners, das er nach seiner Krebserkrankung geschrieben hatte, gelesen. Und er glaubt, dass Armstrong vom Willen, von der Härte zu sich selbst ein Vorbild für jeden Ausdauersportler war. "Er hat wahrscheinlich mehr trainiert als alle anderen, ob zu Weihnachten und egal bei welchem Wetter", meint Klaus Fischer. Geholfen haben dem US-Amerikaner dabei - das ist nicht erst seit gestern klar - auch die verbotenen Mittel wie Epo, die ihn belastbarer für das harte Training gemacht haben. (mas/tp) Lötzsch fordert lebenslange Sperren  Startseite  > 19.01.2013 Freie Presse 28.01.2013