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2012-03-23  

Der Traum von Paris-Roubaix lebt noch

Für Radprofi Marcus Burghardt beginnt mit den Frühjahrs-Klassikern der Ernst seines Berufslebens. Der Zschopauer fährt vornehmlich in der Rolle des Edelhelfers.

Von Thomas Prenzel

Chemnitz - Etwa 35.000 Kilometer schrubbt Marcus Burghardt im Jahr - nicht mit dem Auto, sondern auf seinem Rennrad wohlgemerkt. Ab Freitag stehen für den gebürtigen Zschopauer aber die beliebtesten Kilometer seines Mammutpensums an: die Frühjahrs-Klassiker in Belgien und der Kraftakt bei Paris-Roubaix. Zunächst startet der 28-Jährige beim E3-Preis in Harelbeke. Am Sonntag folgt mit Gent-Wevelgem jenes Rennen, bei dem Burghardts Stern 2007 mit dem ersten Triumph im Profiradsport aufging. Schließlich folgt am 1. April die Flandern-Rundfahrt und eine Woche später die 260 km lange Eintages-Tortur mit den berüchtigten Kopfsteinpflaster-Passagen von Paris nach Roubaix. "Ich glaube, dass ich gut im Saft stehe und freue mich auf die Klassiker. Mein Fanclub in Belgien hat sich auch schon angekündigt. Wir haben eine starke Mannschaft", meint Marcus Burghardt.

Hushovd und Gilbert die Kapitäne

Der Erzgebirger genoss gestern in seiner Schweizer Wahl-Heimat in Tägerwilen am Bodensee die gemeinsame Zeit auf dem Spielplatz mit seiner 19 Monate alten Tochter Lena Sophia. Für die Familie bleibt in den kommenden Wochen erst einmal weniger Zeit. Nach der grandiosen Tour de France im Vorjahr, als der Edelhelfer Marcus Burghardt seinem siegreichen Teamkollegen Cadel Evans (Australien) drei Wochen treu zur Seite stand, hatte er einen neuen Zweijahresvertrag beim Rennstall BMC erhalten. Der Schweizer Fahrradhersteller legte aber auch die Prämissen für diese und die nächste Saison fest: "Ich werde weiter in erster Linie für Helferdienste bezahlt. Mit den Verpflichtungen von Gilbert und Hushovd ist unsere Klassiker-Fraktion ungemein stärker geworden. Da muss ich eigene Bedürfnisse hintenanstellen", erklärt Burghardt die Hackordnung bei BMC.

Demnach werden der Norweger Thor Hushovd, Straßenrad-Weltmeister 2010, und Philippe Gilbert, der Weltranglistenerste aus Belgien, bei den Klassikern die Kapitänsrolle ausfüllen. Hushovd hat Paris-Roubaix als das Rennen bezeichnet, das er unbedingt noch gewinnen will. Mit 34 Jahren bleibt dem mehrmaligen Tour-Etappensieger nicht mehr viel Zeit dazu. Das weiß auch Burghardt, der jenen Traum vom Sieg bei Paris-Roubaix auf seiner ersten Autogrammkarte verewigt hatte. Doch in der aktuellen Konstellation bei BMC müssten seine Kapitäne schon einen rabenschwarzen Tag erwischen oder die Rennsituation deutlich für den Sachsen sprechen.

Vorbereitung mit Trainer Fischer

Unmöglich ist das nicht: Im Vorjahr nutzte Johan Vansummeren, der als Helfer für Hushovd - damals im Team Garmin - vorgesehen war, die Gunst der Stunde. Der Belgier schlug den Favoriten bei der "Hölle des Nordens" ein Schnippchen. "Ich habe Paris-Roubaix noch nicht aufgegeben. Wenn sich wirklich diese Chance bieten sollte, dann will ich zur Stelle sein", hat sich Marcus Burghardt fest vorgenommen.

Seine Erkältung, die er sich bei Paris-Nizza Anfang des Monats zugezogen hatte, glaubt er auskuriert zu haben. In den vergangenen zehn Tagen wurde er von Klaus Fischer, seinem ehemaligen Heimcoach zu Venusberger Zeiten, beim Training am Bodensee unterstützt. Ansonsten vertraut Marcus Burghardt auf den BMC-Teamarzt und Sportwissenschaftler Max Testa, der seine Trainingsdaten auswertet und die Pläne schreibt. Vor allem nach den Frühjahrs-Klassikern gilt es, Kondition und Stehvermögen neu aufzubauen. Trotz deutlich größerer Konkurrenz strebt Burghardt als einziger deutscher Fahrer unter den 26 BMC-Profis in der zweiten Saisonhälfte wieder die Tour de France an. Marcus Burghardt optimistisch: "Ich habe im Vorjahr gezeigt, dass ich Cadel helfen kann. Vielleicht legt er ein gutes Wort für mich ein."

Bildtext: Marcus Burghardt bei der Tour de France im Vorjahr, als er Cadel Evans zum Gesamtsieg verhalf. Die gelben Schuhe sind sein Erkennungsmerkmal. - Foto: Roth

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